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Sobradinho - Hintergrundinformationen


Sobradinho

(Sá & Guarabyra)

O homem chega já desfaz a natureza
Tira a gente, põe represa,
diz que tudo vai mudar
O São Francisco lá pra cima da Bahia
Diz que dia menos dia vai subir bem devagar
E passo a passo vai cumprindo a profecia
Do beato que dizia que o Sertão ia alagar

O Sertão vai virar mar, dá no coração
O medo que algum dia o mar também vire Sertão
Vai virar mar, dá no coração
O medo que algum dia o mar também vire Sertão

Adeus Remanso, Casa Nova, Sento-Sé
Adeus Pilão Arcado, vem o rio te engolir
Debaixo da água lá se vai a vida inteira
Por cima da cachoeira o gaiola vai subir
Vai ter barragem no salto do Sobradinho
E o povo vai-se embora com medo de se afogar

Remanso, Casa Nova, Sento-Sé, Pilão Arcado, Sobradinho
Adeus, adeus
Remanso, Casa Nova, Sento-Sé, Pilão Arcado
Adeus, adeus

Sobradinho

(Sá & Guarabyra)

Kaum kommt der Mensch schon zerstört er die Natur
Vertreibt uns Bewohner, baut einen Staudamm hin,
und sagt daß sich alles verändern wird
Der São Francisco dort oben in Bahia
Sagt er, wird Tag für Tag ganz langsam steigen
Und Schritt für Schritt wird sich die Prophezeiung erfüllen
Des Predigers, der sagte, daß der Sertão im Wasser versinken werde

Der Sertão wird zum Meer, das macht im Herzen
Die Angst daß eines Tages auch das Meer zum Sertão wird
Er wird zum Meer, das macht im Herzen
Die Angst daß eines Tages auch das Meer zum Sertão wird

Lebt wohl Remanso, Casa Nova, Sento-Sé
Leb wohl Pilão Arcado, es kommt der Fluß um dich zu verschlingen
Unter dem Wasser da geht das ganze Leben hin
Über den Wasserfall hinweg wird der Flußdampfer steigen
An der Schwelle von Sobradinho wird ein Staudamm stehen
Und das Volk geht weg in der Angst zu ertrinken

Remanso, Casa Nova, Sento-Sé, Pilão Arcado, Sobradinho
Lebt wohl, lebt wohl
Remanso, Casa Nova, Sento-Sé, Pilão Arcado
Lebt wohl, lebt wohl

Copyright © by Sá & Guarabyra. All rights reserved.

Copyright © 1996-1999 by Steffen Beyer. All rights reserved.


Hintergrundinformationen:

1972 wurde im Staat Bahia am Rio São Francisco mit dem Bau eines Staudamms begonnen, 50 km flußaufwärts von Juazeiro gelegen, bei dem Fischerdorf Sobradinho.

Zuerst wurden unterhalb der Baustelle drei (getrennte) Siedlungen angelegt, um die am Bau beschäftigten Menschen unterzubringen: Eine für die Arbeiter, eine für den Mittelstand (Vorarbeiter, niedere Verwaltungsangestellte) und eine für die leitenden Kader (Ingenieure, Manager).

Mittels einer landesweiten Werbekampagne wurden von überall her Arbeiter angeworben - für einen Stundenlohn von damals umgerechnet 45 Pf. Arbeitsschutzmaßnahmen fehlten oder wurden nicht eingehalten - viele Arbeiter wurden verletzt oder kamen um. Der niedrige Lohn reichte nicht weit; die Arbeiter mußten oft für lange Zeit von ihren Familien getrennt leben. Die meisten Arbeiter wohnten in Wellblechhütten. Entspannungs- und Freizeitmöglichkeiten gab es keine außer Trinken, Schläger-, Messerstecher- und Schießereien sowie den Prostituierten, die teilweise extra von der Bauleitung angeworben wurden, teils von selbst kamen - man rechnete eine Prostituierte auf fünf Arbeiter.

Drei Jahre später wurde mit der Planung (!) der Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung begonnen. Die Uferlinie des zukünftigen Stausees wurde jedoch nie ausgemessen - um Entschädigungsansprüche zu vermeiden.

Die Einwohner der Städte am Flußufer, Remanso, Casa Nova, Sento-Sé und Pilão Arcado, wurden in Siedlungen ins Landesinnere umgesiedelt, wo ständig Wassermangel herrscht. Verglichen mit den übrigen Bewohnern der Gegend hatten sie aber noch Glück: Diese wurden einfach vertrieben, die meisten ohne jede Entschädigung oder nur mit einem Trinkgeld abgespeist. Viele der oft abgelegenen Dörfer wurden gar nicht erst informiert - sie wurden 1978 von den steigenden Fluten überrascht. Viele Menschen kamen sogar darin um.

Insgesamt wurden über 70.000 Menschen von den Fluten vertrieben - die genaue Zahl wurde jedoch nie ermittelt.

Die überflutete Region wurde vor Beginn der Stauung nicht abgeholzt. Durch die dadurch hervorgerufene Gärung und Fäulnis kippte der Stausee beinahe um. Wegen des Sauerstoffmangels kamen die Fische an die Oberfläche, was zuerst ungeahnte Fischereierträge brachte, bis der See fast leergefischt war. Da eine Fischleiter bis heute nicht eingerichtet wurde, konnte sich der Fischbestand auch nicht durch neue Brut regenerieren.

Heute ist der Stausee von Sobradinho von seiner Fläche Lateinamerikas zweitgrößter See (nach dem Titicacasee): 400 km lang und an der breitesten Stelle 40 km breit. Zur Veranschaulichung: Stünde der Damm in Düsseldorf, wäre der Rhein bis Freiburg gestaut!

Der Arbeitersiedlung von Sobradinho versprach die Betreiberfirma des Staudamms, die CHESF (Companhia Hidrelétrica do São Francisco) Wasser aus dem Stausee zur Bewässerung ihrer Felder zur Verfügung zu stellen. Bis heute kämpften die Einwohner vergeblich um die Einhaltung dieses Versprechens. In ihrer Not mußten sie die Abwässer aus den Kloaken der beiden anderen Siedlungen (wegen des Gefälles) zur Bewässerung verwenden.

Von dem Wasser aus dem See werden großangelegte Bewässerungsplantagen gespeist. Diese produzieren Obst und Gemüse für den Export in die USA, nach Europa und Japan. Durch das warme Klima sind bis zu drei Ernten im Jahr möglich, dadurch können sie auch im Winter den Deutschen ihren heißgeliebten Spargel auf den Tisch bringen.

Ein ehrgeiziger Plan der Regierung (PLANVASF - Plano Diretor de Desenvolvimento do Vale do Rio São Francisco - Generalplan zur Entwicklung des Tals des Rio São Francisco) sieht vor, das gesamte, 2700 km lange Tal des Rio São Francisco bis zum Jahre 2010 in riesige Bewässerungsplantagen zu verwandeln, zusammen mit der entsprechenden Infrastruktur wie Staudämmen, Häfen und einem Flughafen, der bei Petrolina (Pernambuco), Juazeiro auf der anderen Flußseite gegenüber, bereits gebaut wurde.

Das Tal des Rio São Francisco soll einmal die Böden in Kalifornien in den USA ersetzen, die nach jahrzehntelanger Bewässerung und Düngung nun versalzt und vergiftet sind und aufgegeben werden müssen. Dennoch soll die Bewässerung im Tal des Rio São Francisco nach diesem bewährten Vorbild (Originalton einer Werbebroschüre für europäische Investoren) durchgeführt werden, obwohl der Nordosten Brasiliens, der Sertão, eine aride Region (eine Trocken- und Dornsträuchersteppe) ist. Wegen des kalifornischen Vorbildes wird der PLANVASF auch "Nova Califórnia" genannt - "Neues Kalifornien".

Er sieht vor, daß das Obst und Gemüse per Luftfracht (!) innerhalb von 48 Stunden bei dem hiesigen Verbraucher auf dem Tisch liegen soll...


Copyright © 1996 by Steffen Beyer. All rights reserved.
Dieser Text darf beliebig verbreitet und vervielfältigt werden.


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Last modified: Saturday, 26-Mar-2016 03:04:27 MDT

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